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Mit der Stiftung „Hanns Seidel“ nach Deutschland
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Vor zwei Jahren, als ich mit der polizeilichen Grundausbildung in Sremska Kamenica anfing, sollte ich mich für eine Fremdsprache entscheiden – Englisch oder Deutsch. Ich entschied mich für Deutsch. An die Worte meiner Deutschlehrerin Dragana Skrobonja erinnere ich mich noch genau: „Lernt fleißig Deutsch! Der Beste im Ausbildungsseminar dieser Generation, wird nach Bayern zu einer zweiwöchigen Hospitation gehen.“ Diese Nachricht hat noch mehr meinen Entschluss gefestigt, Deutsch regelmäßig zu lernen und gleichzeitig war ich noch motivierter mich ordentlich anzustrengen und viel mehr zu lernen. Von der ersten Stunde an, war das Interesse an der deutschen Sprache da. Ich war begeistert mit der Unterrichtsgestaltung meiner Deutschlehrerin und ich merkte bald, dass ich immer größere Fortschritte machte. Am Ende der Ausbildung, wurde mir mitgeteilt, dass gerade ich diejenige bin, die für die Reise nach Deutschland bestimmt ist. Ich konnte mein Glück kaum fassen!    
Die Stiftung „Hanns Seidel“ aus Bayern, mit dem Hauptsitz in München und dessen Vertretung für Serbien in Belgrad, im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Innenministerium der Republik Serbien, vergibt seit  5 Jahren diesen Preis für die sprachliche Weiterbildung den Auszubildenden im Zentrum für die polizeiliche Grundausbildung in Sremska Kamenica. Die Stiftung möchte hiermit das Lernen der deutschen Sprache popularisieren zum Zwecke einer besseren Zusammenarbeit zwischen den Polizeien beider Länder.
 
Tag 1.
Am Flughafen in München wartete mein Kollege aus Kroatien auf mich, sowie der Taxifahrer, der uns ins ca. 30 km entfernte Städtchen Dachau beförderte, wo wir in der VI Abteilung der Bayerischen Bereitschaftspolizei (eins von 7 Grundausbildungszentren) untergebracht wurden. Dort waren schon die Kolleginnen und Kollegen aus Moldawien, Ungarn und Bulgarien. Das Zentrum umfasst eine Fläche von mehreren tausend Quadratmetern und verfügt über Gebäude in denen der Unterricht abgehalten wird, aber auch über Unterkunftsräume für die Auszubildenden und für die Angehörigen des Unterstützungskommandos und der Bereitschaftspolizei. Das Zentrum verfügt ebenfalls über ein Einsatzhaus, eine Kantine, ein Restaurant, ein Sportzentrum mit Sporthalle, Kraftraum, Schießkino und mehreren Fußball-, Tennis- und Volleyballplätzen (für Volleyball auf dem Sand) usw. Später erfuhr ich, dass auf dieser Fläche, wo sich das Zentrum heute befindet, während des Zweiten Weltkrieges eine Waffenfabrik stand, die eine der größten in Deutschland war und dass alle Gebäude auf dieser Fläche unter Schutz bezüglich der Authenzitität stehen und dass ihre äußere Erscheinung nicht verändert werden darf. Am ersten Tag machten wir uns mit dem Zentrum, den Unterkunfts- und den Klassenräumen vertraut, sowie mit den Angestellten im Zentrum.
 
Tag 2.
Am nächsten Tag wurden wir vom Leiter des Zentrums herzlich begrüßt und er wünschte uns einen angenehmen Aufenthalt im Zentrum. Danach besuchten wir den theorethischen Unterricht, der sehr an unseren erinnert, wo wir mit dem  Organigramm der Bayerischen Polizei vertraut gemacht wurden, aber auch mit der Art der Bewältigung kritischer Situationen, mit denen wir uns ebenfalls täglich konfrontieren wie z.B. Störung der öffentlichen Ordnung, Mord, Selbstmord, häusliche Gewalt usw. Ich war mit den Vorlesungen begeistert und ebenso mit der Vorlesung des amerikanischen Sheriffs, welcher als Gastreferent aus Georgia anwesend war, der uns das Organigramm der Polizei in den USA erklärte und uns den Ratschlag gab, dass wir immer an uns arbeiten sollen, dass wir uns bemühen müssen immer gute Menschen und Kollegen zu sein. Danach sind wir zusammen zur KZ-Gedenkstätte Dachau gegangen, die sich in unmittelbarer Nähe des Zentrums befindet.
 
 
Tag 3. 
Der Mittwoch war für die touristische Besichtigung der Stadt München, der Sehenswürdigkeiten dieser wunderschönen Stadt, des BMW-Museums und des Fußballstadions Allianz-Arena reserviert. 
 
Tag  4. 
Auf der Polizeidienststelle Moosach (zweitgrößte in der Stadt München), wurden wir herzlich vom Stellvertreter des Leiters begrüßt. Er erklärte uns den Aufbau der Polizeidienststelle und machte uns mit der Problematik, mit der sie sich beschäftigen vertraut. Wir schauten uns alle Räume dieser Dienststelle an (die Gewahrsamzelle, die Einsatzzentrale...). Uns wurde auch der Dienstwagen BMW Kombi  vorgeführt. Danach begaben wir uns zu den Diensthundeführern und sahen uns die verschiedenen Übungen, welche sie mit den Hunden ausführen, an. Für mich war es sehr interessant zu wissen, dass jeder Polizeibeamte je einen Hund betreut. Der Hund bleibt nicht auf dem Gelände, sondern lebt mit dem Polizeibeamten und seiner Familie zusammen, die sich sehr viel um ihn kümmern muss. Im Anschluss daran, besichtigten wir die Einsatzzentale und lernten die Arbeit in der Einsatzzentrale kennen (über 1000 Telefonanrufe täglich, digitaler Datentransport...). Der Polizeiarzt schloß sich ebenfalls uns an, so dass wir zusammen mit ihm das Präsidium der Polizei München (PP) besuchten. Er zeigte uns dort das Münchner Polizei-Museum, wo thematisch die Geschichte der Polizei  Münchens dargestellt ist, aber auch einige geschichtliche Kriminalfälle (Attentat während der Olympischen Spiele 1972).
 
Tag  5.
Es war sehr interessant im Unterricht mitzuwirken und die Erfahrungen mit den Auszubildenden bei der Bayerischen Polizei auszutauschen. Wir waren auch bei der Vorlesung über Verkehrsrecht anwesend. Im Unterricht für den Umgang mit Waffen, hatten wir die Möglichkeit die Dienstwaffe „heckler & koch P7“ zu sehen. Meiner Meinung nach, ist es einfacher diese Waffe zu tragen, im Vergleich zu unserer Dienstpistole, aber sie ist komplizierter bei der Anwendung. Danach sahen wir uns praxisbezogene Situationen an (Patrouillen, Vorgehensweise, Legitimation, Durchsuchungen). Im Anschluss daran, hatten wir eine Vorlesung über das Polizeirecht. Wir haben erfahren, dass es ein Polizeigesetz des Landes Bayern gibt, aber auch das Polizeigesetz des Bundes. 
 
Tag 6.
Mit unserem Betreuer gingen wir zum bayerischen Frühstück in ein wunderschönes heimisches Restaurant, das sich im Zentrum Münchens befindet, wo wir die berühmte Weißwurst aßen und als Beilage wird der süßlich-salzige Senf serviert. Den freien Nachmittag haben wir für die Besichtigung der Stadt ausgenutzt. 
 
Tag 7.
Den Ausflug an den Chiemsee, der übrigens als Bayerisches Meer bezeichnet wird, ist etwas, was ich lange in Erinnerung behalten werde. Wir besuchten auch beide Inseln, Frauen- und Herreninsel , das Schloß, das der bayerische König Ludwig II Ende des XIX, als Nachbildung von Versailles, bauen ließ und auf einer von beiden Inseln aßen wir zu Mittag – dieses Erlebnis war so phantastisch, dass es mich sprachlos werden ließ. Am See empfingen uns herzlich auch die Kollegen von der Wasserschutzpolizei, beherbergten uns in ihrer Basis und danach machte wir eine Rundfahrt mit dem Dienstboot am See.
 
Tag  8. 
Obwohl das Wetter keinen guten Eindruck machte, verbrachte wir trotzdem einen wunderschönen Tag in den bayerischen Bergen und am Tegernsee. Während der Wanderung, besuchten wir eine Farm, wo der beste bayerische Käse hergestellt wird und danach statteten wir der Bergwacht einen Besuch ab. Bei der Rückkehr wurden wir zum besten Dessert in den Bergen, in eine kleine Gaststätte geführt, wo es über 20 Sorten von Torten und Kuchen gibt. Eindruck: „PHANTASTISCH“.

 Tag  9.
Den heutigen Tag, welcher sehr interessant und belehrbar war, verbrachten wir zusammen mit der USK Polizei (Unterstützungskommando). Der Kommandeur der Einheit und der Hauptinstrukteur für die Eignungsprüfung empfingen uns herzlich und machten uns mit der Arbeit dieser Einheit vertraut. Es ist sehr interessant, dass in diese Einheit nur junge Leute aufgenommen werden, die psycho-physisch stets bereit sein müssen und die Arbeit in dieser Einheit ist auf 5 Jahre begrenzt. Zwei mal im Jahr werden die Mitglieder dieser Einheit geprüft und jeder Polizeibeamte, der den Eindruck hat, für diese Einheit fähig zu sein, kann sich freiwillig melden. Die gleichen psycho-physischen Normen gelten sowohl für Männer als auch für Frauen. Zurzeit haben sie nur 3 Frauen. Die Ausbildung und das Training finden alltäglich statt. Diese Einheit beschäftigt sich mit der anspruchvollsten Kriminalitätsbekämpfung in der Stadt. Sie werden bei Großdemonstrationen von Neonazis und Ultraboys-Fangruppen, bei Razzien, Personen-Durchsuchungen usw. eingesetzt. Im Rahmen der USK-Polizei gibt es auch eine Gruppe von Leuten, die in ziviler Kleidung arbeitet und ausgezeichnete Ergebnisse liefert. Wir waren bei einer Übung anwesend. Das fotografieren der Angehörigen der USK ist nicht erlaubt. Danach haben wir mit unseren Gastgebern das „Volksfestival“ in Dachau besucht, wo wir unterm Zelt die Musik, das Bier und die Bratwurst genossen.

 

Tag 10.

Wir besuchten die Vorlesung im Fach Strafrecht und danach den Unterricht im Fach Selbstverteidigung, wo wir ebenfalls mitwirken und unsere Erfahrungen austauschen konnten. Die nächste Vorlesung war zum Thema: der Schutz der Minderjährigen (Drogen, Zigaretten, Alkohol). 

Tag 11.
Den letzen Aufenthaltstag in Dachau verbrachten wir auf dem Gelände im benachbarten Ort, wo wir mit den Kollegen aus Deutschland bei der Hürdenbewältigung mitwirkten. Das Ziel dieser Übungen auf dem Gelände ist, dass sich der Polizeibeamte von der Angst und vom Stress befreit. Das wichtigste dabei ist zu lernen, wie einer dem Kollegen helfen kann, sollte er in eine Krisensituation geraten. Nebenbei, wird noch die Teamarbeit unter den Kollegen gestärkt. Ich denke, dass mir diese Erfahrung sehr in der weiteren Arbeit helfen wird. 
 
Tag 12.
Es kam die Zeit, wo wir uns verabschieden mussten und zwar mit unseren Gastgebern und den Kollegen aus der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Der Abschied fiel allen ein bisschen schwer, denn in den vergangenen zwei Wochen haben wir eine schöne freundschaftliche Beziehung entwickelt, ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut und wirklich wie eine kleine Familie funktioniert. Der Empfang seitens der bayerischen Kolleginnen und Kollegen war für mich erstaunlich warmherzig und freundschaftlich. Die Unterkunft war mehr als ausgezeichnet und das Essen noch besser. Ich hatte die Gelegenheit die Stadt München zu sehen, aber auch die benachbarten Orte; ich konnte die Kultur, Tradition und Bräuche des deutschen Volkes kennen lernen. Der Aufenthalt in Bayern half mir sehr, meine Deutschkenntnisse zu erweitern, vor allem  bei der Verwendung der fachbezogenen Terminologie, die mir bei der Arbeit sehr hilfreich sein wird.
Ich bin wirklich dem Zentrum für polizeiliche Grundausbildung und der Stiftung „Hanns Seidel” für das in mich gesetzte Vertrauen unermesslich dankbar, sowie für diesen einmaligen Preis. 
 
 
Polizeimeisterin Ana Jovanović                                                                                                    
 
 
 
 
 

 

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